Die Posaunenchöre aus Temperley und Olivos reisten nach Deutschland, um gemeinsam mit dem Mecklenburger Bläserkreis zu spielen. Der erhaltene Reiseplan verzeichnet fast täglich Konzerte, Gottesdienste, Ständchen und Auftritte im Freien. In Leipzig warteten der erste Deutsche Evangelische Posaunentag und ein Stadion mit 16.000 Musizierenden.
20
Tage im Reiseplan
40+
geplante Auftritte
16.000
Musizierende in Leipzig
433
Videos der Reise
Kapitel I
Ein Ensemble unterwegs
Barkow · Mai 2008
Das Ensemble vereinte argentinische Musikerinnen und Musiker aus Temperley und Olivos mit Mitgliedern des Mecklenburger Bläserkreises. Das offizielle Plakat kündigte die Posaunenchöre Olivos–Témperley mit „Festlicher Bläsermusik aus Lateinamerika: Salmos y Tangos“ an. Auf das Exemplar, das ins Archiv zurückkehrte, schrieb jemand mit Filzstift den Namen, der blieb: Valium Brass.
Das gemeinsame Reisetagebuch beginnt noch vor der Ankunft der Gruppe mit den Vorbereitungen von Lucas „Palito“ Busso und Martin Huss in Barkow. Danach schreiben abwechselnd Pablo Busso, Natalia, Georg, Mario Cacace, Nicolás, Willi und Werner Mengel, Héctor Alexandro, Juan Alberto „el Galo“ Galimberti, Sabine, Sonja und Edgar. Es ist keine Jahre später rekonstruierte Erinnerung, sondern ein Bericht, der während der Fahrt entstand.
Der Name auf dem Plakat. „Festliche Bläsermusik aus Lateinamerika · Salmos y Tangos“, darunter mit Filzstift: „VALIUM BRASS · Gira Alemania 2008“.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoDie Tournee vor dem Aufbruch. Ein Arbeitsblatt mit Uhrzeiten, Instrumenten, Fahrzeugen und Zuständigkeiten: die tägliche Organisation hinter dem gedruckten Reiseplan.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoDas Dokument, das die Geschichte ordnet. Von der Landung in Frankfurt am 21. Mai bis zum Rückflug am 9. Juni. Zählt man Konzerte, Gottesdienste, Ständchen und Auftritte im Freien —ohne Proben, Fahrten und Besichtigungen—, ergeben sich mehr als vierzig Auftritte in zwanzig Tagen.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio Cosentino
Leipzig Lukaskirche · Hauptbühne · Abschluss im Zentralstadion
2.–3. Juni
Von der Ostsee nach Westfalen Koppelsberg · Plön · Bielefeld · Bad Oeynhausen · Gütersloh · Rödinghausen
4.–8. Juni
Der Süden München · Stuttgart-Vaihingen · Tübingen · Freiburg · Pfullendorf · Basel · Efringen-Kirchen · Weil-Friedlingen
Neustrelitz, 22. Mai. Die Tourneebesetzung nach dem ersten Konzert im Altenheim. Das Tagebuch hält den knappen ersten Eindruck fest: „Das Konzert ging schnell vorbei.“Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoWismar, 24. Mai. Musik unter freiem Himmel auf einem Platz gegenüber der Musikschule – der erste Auftritt eines Tages, der in Rostock weiterging.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoRostock, 24. Mai. Das vollständige Ensemble vor dem Publikum im Weidendom; Wände, Dach und Hintergrund bestehen aus lebenden Weiden.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoRostock, 24. Mai. Das tiefe Blech im Weidendom, der aus verflochtenen Weiden gebauten lebenden Kathedrale. Auf den Notenpulten liegt das Programm, das auch das Tourneeplakat ankündigte.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoGreifswald, 26. Mai. Horn, Tuba und Posaune aus nächster Nähe an einem Tag mit Ständchen im Konsistorium und Konzert im Dom.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoLübz, 27. Mai. Eines der Ständchen unter freiem Himmel, nach dem Spielen in der Brauerei und vor dem gemeinsamen Konzert in Retgendorf.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoTeterow, 29. Mai. Marktblasen vor dem Rathaus: Ein Teil der Gruppe spielt auf dem Platz, vier Trompeten antworten vom Balkon.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoLübz, zwischen zwei Auftritten. Nach dem Ständchen in der Brauerei und vor dem Spielen auf Markt und Rathaus: Hauben, Schürzen, Silos und gestapelte Fässer.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoRetgendorf, 27. Mai. Gruppenbild beider Ensembles nach ihrem ersten gemeinsamen Konzert: die argentinische Besetzung und der Mecklenburger Bläserkreis.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoPlau, 28. Mai. Das Konzert in der Stadtkirche St. Marien von oben gesehen. Das Tagebuch erinnert daran als eines der bis dahin besten Konzerte der Reise.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoWarnemünde, 29. Mai. Die Delegationen am Ende des letzten Tages in Mecklenburg, bevor sie die Weiterreise nach Leipzig vorbereiteten.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio Cosentino
Kapitel II
Mitten im Rekord
Leipzig · 30. Mai – 1. Juni
Der erste Deutsche Evangelische Posaunentag brachte in Leipzig Posaunenchöre aus ganz Deutschland und internationale Gäste zusammen. Valium Brass spielte in der Lukaskirche, trat auf der Hauptbühne auf und nahm am Abschluss am 1. Juni im Zentralstadion teil.
Dort musizierten rund 16.000 Instrumentalistinnen und Instrumentalisten gleichzeitig vor insgesamt etwa 35.000 Menschen. Die Versammlung wurde als größter Posaunenchor der Welt verzeichnet. Die Archivfotos blicken nicht von der Tribüne auf den Rekord: Sie entstanden von den nummerierten Stühlen auf dem Rasen, zwischen Tausenden von Notenpulten.
1. Juni 2008 · Zentralstadion
16.000 Musizierende zur gleichen Zeit
Der Höhepunkt der vierten Europatournee und einer der am besten dokumentierten Momente des Archivs: Programm, Plakate, Tagebuch, Fotografien vom Spielfeld und Dutzende Videosequenzen.
Leipzig, 31. Mai. Musizierende der argentinischen und der deutschen Delegation am Tag der Auftritte in der Lukaskirche und auf der Hauptbühne.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoDer Blick von einem der Stühle. Notenpulte und Musizierende bedecken den Rasen; die Tribünen sind voll, gelbe Fahnen des Posaunentags säumen das Stadion.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoDer Rekord von oben. Tausende Instrumente und Notenpulte bilden durchgehende Reihen auf dem Spielfeld; von der Tribüne wird das ganze Ausmaß des Treffens sichtbar.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoDer Name des Treffens. Das Banner des Posaunentags am Spielfeldrand, während einer von Hunderten Chören das Programm durchsieht.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio Cosentino
Kapitel III
Die Reise, erzählt von den Reisenden
Ein Tagebuch · drei Kameras · 433 Videos
Das Tagebuch erzählt die Reise in einem anderen Maßstab: die Eile zwischen zwei Auftritten, Regen, Unterkünfte, gemeinsame Mahlzeiten und das Repertoire, das jeden Abend vor einem neuen Publikum erprobt wurde. Am 6. Juni hält es zudem eine für die Archivgeschichte entscheidende Szene fest: Lucas überspielte die Kameras auf DVD, um Speicher freizumachen und allen die Fotos zu sichern. Diese Datenträger gehören zu dem Bestand, der heute erhalten ist.
Die vollständige Sichtung von Patricios Material ordnete 4.086 Bilder aus dem Jahr 2008 und 433 Videodateien der Tournee mit einer Gesamtdauer von 4 Stunden und 45 Minuten. Der audiovisuelle Bestand verbindet Musik, Fahrten und Alltag. Für diese Seite wurden ausschließlich öffentliche Szenen der Tournee gewählt; privates Material bleibt außen vor.
Lucas „alias Palito“ lud alle Fotos auf DVD, um die Kameras zu leeren und damit wir alle das Material als Erinnerung haben konnten.Gemeinsames Reisetagebuch · Tübingen · 6. Juni 2008
Gütersloh, 3. Juni. Die Reisegruppe im hellblauen Tournee-Polo, nach Leipzig und vor der Weiterfahrt nach Süden.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoBielefeld, 3. Juni. Morgenständchen vor dem Landeskirchenamt: einer von vier Auftritten an diesem Tag.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoTübingen, 5. Juni. Gruppenbild vor dem Altar der Stiftskirche nach dem Konzert.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoPfullendorf, 6. Juni. An diesem Abend gab die Reisegruppe zwei Konzerte: um 21 Uhr in St. Jakobus und um 23 Uhr in Maria Schray.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoWeil am Rhein, 8. Juni. Die Tourneebesetzung nach dem letzten Konzert, vor der Rückfahrt nach Frankfurt und dem Flug nach Buenos Aires.Historisches Archiv des Chores · Digitalisierung: Patricio CosentinoDie Gruppe unter den Buntglasfenstern. Vierzehn Mitglieder im hellblauen Tournee-Polo posieren vor dem Altar einer gotischen Kirche: drei hohe Fenster im Hintergrund, in der Mitte das vergoldete Kruzifix und über der Schulter eines Mitglieds eine zusammengelegte argentinische Fahne. Vorn knien Trompete, Horn, Posaune und eine auf dem Boden abgestellte Tuba, dahinter stehen die übrigen. Die Notenpulte stehen noch an den Seiten.In Schwarz und im Anzug, gemeinsam am Pult. In einer Backsteinkirche stehen vor den roten Notenpulten die Gäste in Schwarz und die Gastgeber in Anzug und Krawatte in derselben Reihe: vier Trompeten, ein Flügelhorn, am rechten Rand ein Horn. An der Wand der schmiedeeiserne Leuchter und die leere Konsole des Bogens.Das letzte Stück Kuchen. Zwei Reisende im hellblauen Polo halten einen Teller mit dem letzten Kuchenstück in die Kamera. Dahinter der Holztisch mit der Brotzeit, die Backsteinwand und die handgeschriebenen Tafeln der Karte —„Schnitzel mit…“—: die Tageskarte auf einem deutschen Gehsteig.Der Eisbecher. Drei Reisende um einen hohen Becher — Wassermelone, Kiwi, Orange, eine Waffel obenauf — an einem Tisch in der Fußgängerzone. Auf der Brust der Polos ist das Logo des Posaunenchors Temperley zu erkennen; im Hintergrund Schaufenster und Marktkisten.Der Kaffee am Morgen. Zwei Reisende in einer hell getäfelten Stube, jeder bei seinem: einer kippt den Zuckerstreuer über die Tasse, der andere rührt in einer roten Tasse. Auf der gestreiften Decke liegt die aufgeschlagene Dessertkarte. Es ist die kurze Pause, die das Tagebuch zwischen zwei Auftritten immer wieder festhält.Das Wiedersehen. Dieses Wiedersehen derer, die als Valium Brass nach Deutschland gereist waren, fand ein Jahr später, also 2009, im Quincho – dem Grillhaus – bei Georg zu Hause statt, um die gemeinsamen Erlebnisse wieder aufleben zu lassen.Martin Huss in Villa Ballester. Im Hof der Gemeinde Villa Ballester, bei einem der Besuche von Martin Huss in Argentinien mit einem Jugendchor aus Mecklenburg-Vorpommern. Auf dem Foto: Martin Huss, Juan „Galo“ Galimberti, Ernst Becker, Ernesto Lautz, Lucas Busso (der Verkleidete), Georg Becker und Willy Janecki.