Bruderchöre · Zona Norte (nördlicher Großraum Buenos Aires)

Posaunenchor
Olivos

«Olivos Brass» — der Blechbläserchor der Zona Norte, gegründet 1987
Gegründet 1987 Auch «Olivos Brass» Zona Norte · Vicente López
Neun Musiker in hellblauen Hemden und weinroten Krawatten posieren mit ihren Instrumenten in einem Garten

Von den drei Bruderchören ist der von Olivos der stillste: In fremden Chroniken und in der Presse taucht er kaum auf. Seine Geschichte erzählt er selbst — in der Selbstdarstellung, die sein eigener Chorleiter bewahrt. Dort stehen der Pastor, der ihn mit vier Musikern gründete, die Dörfer in Entre Ríos, in denen er spielte, und die Kirchen von Buenos Aires, die ihn empfingen. Bei den großen Momenten war er außerdem dabei: beim Mega Encuentro in der Juristischen Fakultät, auf der Deutschlandtournee 2008 und beim Guinness-Rekord von Leipzig, als sechzehntausend Blechbläser gleichzeitig erklangen.

Kapitel I

Der Pastor und die vier Musiker

1987

Der Posaunenchor Olivos entstand 1987 in der deutschen evangelischen Gemeinschaft der Zona Norte, ein Vierteljahrhundert nach dem Chor von Temperley (1962) und zwei Jahrzehnte nach dem von Villa Ballester (1964). Gegründet hat ihn Pastor Walter Bäuerle, damals in der Gemeinde Olivos tätig, indem er vier Musiker einlud, einen Posaunenchor zu bilden — dieselbe Zahl, mit der auch seine beiden Brüderchöre begonnen hatten.

Die Selbstdarstellung des Chores erklärt, woher die Idee kam: «la tradición de acompañar los cultos y también amenizar eventos especiales en las iglesias viene de Alemania» — die Tradition, die Gottesdienste zu begleiten und besondere Anlässe in den Kirchen musikalisch zu gestalten, kommt aus Deutschland, wo die Evangelische Kirche über viele Jahre das Gefühl gesät habe, Teil einer Musikgruppe zu sein und Blechinstrumente zu spielen — «instrumentos de latón, el brass». Daher der Name, unter dem der Chor seither auftritt: Olivos Brass.

Die Gemeinde Olivos der CEABA feiert ihre Gottesdienste heute in der Kirche Avellaneda 1541, Florida (Partido Vicente López), mit einem deutschsprachigen Gottesdienst einmal im Monat und einer Orgel von Hermann Hillebrand aus dem Jahr 1965. Das älteste externe Zeugnis des Chores, das das Archiv datieren konnte, ist ein Detail aus der Chronik des Posaunenchors Altenmedingen, der 1999 Argentinien besuchte: Am Ostermontag, dem 5. April 1999, notierten die Deutschen in ihrem Tagebuch «20.00 Uhr — Übungsstunde in Olivos» — eine gemeinsame Übungsstunde in Olivos, bevor es zurück nach Villa Ballester ging.

Schwarzweiß gedrucktes Programm von Olivos Brass: links der Titel «Olivos Brass, un sentimiento que cumple 20 años», die Selbstdarstellung des Chores und ein Foto von neun Musikern in Hemd und Krawatte mit ihren Instrumenten in einem Garten, mit der senkrechten Aufschrift «Olivos Brass 2007»; rechts der Rest der Selbstdarstellung, unterzeichnet von Jorge Becker, Leiter, und ein Kasten mit der Einladung zum Konzert am Samstag, 22. September, um 19 Uhr
Olivos Brass · «Un sentimiento que cumple 20 años»
Das Programm von 2007: die Selbstdarstellung, unterzeichnet von Jorge Becker, dem Leiter von Olivos Brass, und die Einladung zum Konzert am Samstag, 22. September
Archiv von Georg Becker
Kapitel II

Rolando und Jorge Becker

1989 — 2012

Bäuerle leitete den Chor zwei Jahre. Als sein Vertrag endete und er nach Deutschland zurückkehrte, übergab er ihn — inzwischen acht Mitglieder stark — an Rolando Becker. Unter seiner Leitung begleitete das Ensemble weiterhin die Gottesdienste und baute ein doppeltes Repertoire auf: anspruchsvolle klassische Werke einerseits, internationale Volksmusik andererseits — jene, die den Erwartungen bei festlichen Anlässen entsprach.

Sechs Musiker in Hemd und Krawatte sitzen im Kreis mit Trompeten, Posaune und Tuba vor Notenpulten, in einem holzgetäfelten Raum mit Teppich
Oktober 1992. In der Gemeinde Olivos der CEABA, bei der Begleitung eines Festgottesdienstes. Von links nach rechts: Georg Becker, Roland Becker, Bernd Treutel, Siegfried Luschnat (später Leiter des Posaunenchors Villa Ballester), Pets Becker und Helmut Becker.

1991 gab Rolando den Taktstock an Jorge Becker — Georg, in spanischer Form — weiter, und dort blieb er bis zum Schluss. Es gibt ein Objekt, das es belegt, und es stammt vom Chor selbst: die Ehrenplakette, die ihm seine Musiker 2009 schenkten, graviert, spricht von «mehr als 40 Jahren ununterbrochener Laufbahn als Trompeter und 18 Jahren als Leiter von Olivos Brass». Achtzehn Jahre im Jahr 2009 ergeben 1991: dasselbe Jahr, das die Selbstdarstellung nennt, bestätigt durch eine unabhängige Quelle.

Zwölf Musiker im Anzug sitzen in einer Reihe auf einer niedrigen Bühne vor weißen Vorhängen und spielen Trompeten, Posaunen und eine Tuba
Oktober 1993. Konzert im «Deutschen Klub» (Club Alemán in der Calle Corrientes, Buenos Aires). Mitwirkende: Georg Becker (Leiter), Roland Becker, Richard Blatecki, Bernd Treutel, Kay Uve Jung (Sohn von Horst Jung), Martin Fiedler, Bernd Burger, L. Krüger, Siegfried Luschnat, Horst Jung (ehemaliger Leiter des Posaunenchors Martínez), Pets Becker und Helmut Becker.
Runde Platte aus spiegelndem Metall mit goldenem Rand und graviertem Text: «A Jorge Becker, en reconocimiento a sus más de 40 años de ininterrumpida trayectoria como trompetista y sus 18 años de director de Olivos Brass. Agradecemos su responsabilidad y calidez humana en la conducción del grupo, aporte y recopilación de notas y su incansable búsqueda de la excelencia musical. Tus amigos de Olivos Brass, 2009»
Die Ehrenplakette von 2009. Der Chor schenkte sie seinem Leiter, und heute ist sie das Dokument, das seinen Anfang datiert: Die im Metall gravierten «18 Jahre» ergeben 1991. Die «mehr als 40 Jahre als Trompeter» schieben sein erstes Instrument auf 1969 oder früher. Und der Chor nennt sich selbst, auf einem eigenen Objekt, «Olivos Brass». Archiv von Georg Becker

Damals stand er bereits sechzehn Jahre an der Spitze: Als Temperley noch im Wiederaufbau unter Martin Huss steckte und Villa Ballester Siegfried Luschnat noch nicht erreicht hatte, hatte Olivos seinen Chorleiter schon. Er ist zugleich derjenige, der die hier zitierte Selbstdarstellung bewahrt.

Und er ist die einzige Gestalt aus Olivos mit dokumentierter Spur außerhalb des eigenen Hauses — nur dass das Archiv von Temperley ihn unter seinem deutschen Namen führt, Georg. Es ist derselbe: Er organisierte das Patronatskonzert von La Merced (Lamadrid 2560, Villa Ballester) am 23. September 2017 — die Videos jenes Abends tragen den Vermerk «Agradecimiento Georg Becker y Familia» — und spielte auf der Deutschlandtournee von Temperley im Juni 2008, «Festliche Bläsermusik aus Lateinamerika — Salmos y Tangos», die Trompete, auf einem Foto neben Werner Mengel und Nicolás Zárate. Das Mitgliederverzeichnis von Temperley führt ihn außerdem beim Konzert im Auditorio de Belgrano (2017) und in den Danksagungen von 2019. Von den drei Chorleitern ist der von Olivos derjenige, der im Nachbarhaus am häufigsten auftaucht.

Und er war nicht der einzige, der diesen Weg ging. Aus den Reihen von Olivos kam auch die Trompeterin Andrea Hennigs, mit Beteiligung an mehreren Tourneen des Posaunenchores Temperley — darunter die Deutschlandtournee 1998: Sie steht im Trompetenregister jener achtzehn Bläserinnen und Bläser, die in fünfundvierzig Tagen fünfundfünfzig Konzerte in fünfundsechzig Städten gaben. Es ist genau der Zug, den die geschriebene Geschichte dieses Chores auslässt und den die Erinnerung der Musiker bewahrt: Olivos taucht selten unter eigenem Namen auf, aber seine Leute waren bei den großen Reisen der beiden anderen mit dabei.

Mitglieder von Olivos Brass mit ihren Instrumenten in einer Garderobe
November 2002. Sur o no sur ist die dritte CD von Kevin Johansen. Ein Teil von Olivos Brass spielte das Titelstück ein und war bei der Vorstellung im La Trastienda dabei. Jorge Becker, Abel Schwab, Christian Becker, ein Musiker aus Johansens Band, Ernesto Lautz, Andrea Hennigs und vorne ein Musiker der Band.
Archiv von Christian Becker

Unter eigenem Namen erscheint es zum Beispiel am 15. Dezember 2012: An jenem Tag spielten die drei Bruderchöre gemeinsam — «Konzert gemeinsam mit dem Posaunenchor Olivos und Temperley», so kündigte es Villa Ballester an —, das zweite Zusammentreffen der drei, das sich datieren ließ, nach dem Mega Encuentro von 2007.

Kapitel III

Die Landkarte von Olivos Brass

Vom Litoral bis in die Krankenhäuser

Mit seiner Musik reiste Olivos Brass ins Landesinnere. In Entre Ríos spielte der Chor in Gualeguaychú, Urdinarrain, der Filial El Potrero, Aldea San Antonio und Aldea San Juan; in Misiones in Monte Carlo. Und in Villa Gesell, wo die Gruppe nicht nur den Ostergottesdienst vorbereitet, sondern die Gelegenheit auch zur Erholung mit den Familien nutzt — dieselbe Gewohnheit des Reisens mit der Familie, die auch die beiden anderen Chöre pflegen.

In Buenos Aires gab der Chor Konzerte in der Kathedrale von San Isidro, in der Pfingstkirche von Virreyes, in der Baptistenkirche von Grand Bourg und in der Anglikanischen Kirche in der Hauptstadt; gesellschaftliche Anlässe gestaltete er in der Deutschen Botschaft, im NDT von Olivos und im Slowenischen Klub. Zwei dieser Adressen — die Kathedrale von San Isidro und die Botschaft — gehören auch zu den festen Spielorten von Temperley: Der Rundgang der drei Chöre überschneidet sich stärker, als die Chroniken erkennen lassen.

Elf Musiker im Anzug — weißes Hemd und Krawatte — spielen im Stehen im Freien auf dem Rasen, in offener Reihe: fünf Trompeten, zwei Zugposaunen, ein Horn und eine Tuba, mit schwarzen Notenständern und blauen und grünen Notenmappen; dahinter ein zweistöckiges Backsteinhaus mit Ziegeldach und einem Bogenfenster, links ein schwarzer Zaun mit gemauerten Pfeilern
Dezember 2000 · Weihnachtsbasar in der Deutschen Botschaft
Die feste Besetzung mit den 11 Musikern
Fotografie aus dem Archiv von Georg Becker

Und eine Arbeitslinie, die die Selbstdarstellung auf dieselbe Stufe stellt wie die Konzerte: Die Gruppe «se siente comprometida a acompañar musicalmente a ancianos y enfermos en asilos y hospitales» — sie sieht es als Verpflichtung, alte und kranke Menschen in Heimen und Krankenhäusern musikalisch zu begleiten. Villa Ballester sagt über sich fast wortgleich dasselbe, und Temperley hielt in den 1990er Jahren seine Weihnachtsbesuche im Deutschen Hospital und im Altenheim Los Pinos aufrecht.

Kapitel IV

Die Bläsertreffen
der Evangelischen Kirche
am Río de la Plata

Villa Ballester · Baradero · Banfield · Juristische Fakultät · 1996 — 2009

Das erste Bläsertreffen von Témperley, Ballester und Olivos – bei all diesen Anlässen stets mit einem Konzert – fand in der Gemeinde Villa Ballester zu ihrem 70. Jubiläum statt. Leitung: Martin Huss.

Das zweite Treffen war eine musikalische Rüstzeit in Baradero, wo das diakonische Werk der CEABA das Kinderheim German Frers betreibt.

Das dritte Treffen war festlicher und größer, denn sein eigentliches Ziel war ein gemeinsamer Auftritt – zusammen mit dem Posaunenchor aus Mecklenburg-Vorpommern, der damals Argentinien besuchte.

Es wurden drei Proben organisiert; die Liste mit Musikern, Stimmen und Anwesenheit belegt es.

Einige Monate vorher wurden zwei Vorkonzerte mit demselben Repertoire angesetzt, in der Gemeinde Villa Ballester und in der Kirche Sagrada Familia in Banfield, um das Zusammenspiel der Bläser zu festigen.

Es wurden Plakate aufgehängt und in den örtlichen Radiosendern geworben. Außerdem wurden die Konzertprogramme mit den Porträts der drei Chöre verteilt.

Vor vollem Saal in Villa Ballester stellten sich die drei Chöre zum ersten Mal gemeinsam vor, danach in Banfield und schließlich zweimal in der Juristischen Fakultät.

Schließlich fand das Mega Encuentro am 20. Oktober 2007 in der Juristischen Fakultät in Buenos Aires statt und wurde am 27. Oktober wiederholt.

Das Mega Encuentro de Bronces

Aula Magna · Juristische Fakultät · 2007

Im Jahr 2007 versammelte die Aula Magna der Juristischen Fakultät von Buenos Aires vier Blechbläserchöre der Evangelischen Kirche aus Deutschland und vom Río de la Plata unter der Leitung von Martin Huss: den Mecklenburger Posaunenkreis, den Posaunenchor Villa Ballester, den Posaunenchor Temperley — und «Olivos Brass», wie es im Programm stand. An jenem Abend erklangen Majesty, La Gracia de Nuestro Señor, Put Your Hand in the Hand, La Pulga Española, Milonga Sentimental, Los Siete Magníficos — und El Sol de Tilcara von Ernesto Lautz.

Das vierte und letzte Treffen der drei Posaunenchöre fand 2009 zu einem Jubiläum der Gemeinde Villa Ballester statt.

Kapitel V

2008: die Tournee «Valium Brass»
und der Rekord von Leipzig

21. Mai — 9. Juni 2008

Das große internationale Kapitel des Chores von Olivos ist die Deutschlandtournee 2008. Nach der Argentinientournee des Mecklenburger Bläserkreises 2007 erwiderten die Chöre von Olivos und Temperley den Besuch: Zwischen dem 21. Mai und dem 9. Juni bereisten sie gemeinsam mit dem Ensemble aus Mecklenburg unter der Leitung von Martin Huss Deutschland und die Schweiz — 33 Konzerte in 40 Tagen, mehr als 30 Städte. Wegen des Adrenalins, das Ensemble in so kurzer Zeit auf die Beine zu stellen, verdiente sich die argentinische Gruppe den liebevollen Spitznamen «Valium Brass» — ein Name, der im Gedächtnis der Chöre blieb, nicht in den Chroniken. Unter denen, die mitreisten, war Ernesto Lautz, der Euphoniumspieler von Olivos: derselbe, der für Temperley die «Homenaje a Carlitos Schultheiss» und eine Fassung von «Adelita» komponierte und dessen Arrangement von «Adelita y Jalisco» der Jugendbläserkreis aus Mecklenburg-Vorpommern auf seiner Argentinientournee 2023, fünfzehn Jahre später, noch immer spielte.

1. Deutscher Evangelischer Posaunentag · Leipzig
Der Guinness-Rekord
Der Höhepunkt war Leipzig, 30. Mai bis 1. Juni 2008: Der erste nationale Posaunentag versammelte rund 19.000 Teilnehmer aus mehr als 2.000 Chören. Beim Abschluss im Zentralstadion spielten nahezu 16.000 Instrumentalisten gleichzeitig — der größte Blechbläserchor der Geschichte, zertifiziert als Guinness-Rekord. Mitten unter ihnen die Musiker aus Olivos und Temperley: die erste argentinische Präsenz bei einem Posaunentag, die später Temperley in Dresden 2016 und Villa Ballester in Hamburg 2024 fortsetzten.
Kapitel VI

Ernesto Lautz

Der Komponist des Chorkreises

Wenn die Bruderchöre einen Hauskomponisten haben, dann ist es Ernesto Lautz, Euphonium. Er trat 1988 in Villa Ballester ein und wechselte 1992 nach Olivos: Wie so viele in diesem Chorkreis gehört er zu beiden Chören. Sein im hiesigen Repertoire beliebtestes Werk, El Sol de Tilcara, erklang beim Mega Encuentro 2007 und auf der «Valium Brass»-Tournee 2008 — und ist in Deutschland veröffentlicht, im Norddeutschen Bläserheft 1 der Nordkirche, in einem siebenstimmigen Arrangement.

Dieses deutsche Heft versammelt sieben seiner Werke, fast alle mit Anden-Wurzeln: El sendero de la llama (auch als Der Pfad des Lamas), die Inca-Suite, Luna de Aymará — und zwei Titel, die seine Geschichte mit Deutschland ganz von selbst erzählen: Ein Indianer in MV und Un colla en Mecklenburg-Vorpommern. Die Brücke ist Martin Huss: Das Tagebuch der Tournee 2023 des Jungen Mecklenburger Bläserkreises beschreibt ihn als «einen sehr guten Freund von Martin», der an jenem Abend im Publikum der Kirche von Villa Ballester saß, und vermerkt, dass die deutsche Gruppe Arrangements von ihm im Programm führt — wie Bambolero oder das Adelita y Jalisco, das die Jugendlichen als Ständchen auf einer Estancia in San Miguel del Monte spielten.

Und es gibt ein Werk von ihm, das nicht seines ist — und das etwas Größeres erzählt als sich selbst. Unter dem, was er für den Posaunenchor Temperley schrieb, ist die «Homenaje a Carlitos Schultheiss». Schultheiss ist der Autor der Melodie; Lautz orchestrierte sie und gab ihr diesen Titel. Und er tat es aus dem Gedächtnis, denn Noten gab es keine: Es war ein Stück eines in Entre Ríos und Santa Fe sehr bekannten Tanzorchesters — Musik der Wolgadeutschen —, in dem alles nach Gehör gespielt wurde. Ein Musiker eines Blechbläserchores aus dem Großraum Buenos Aires, der sich hinsetzt und aus dem Gedächtnis die Musik aufschreibt, die auf den Tanzfesten der Kolonie erklang: Das ist es, was dieser Titel bewahrt.

Sechs lachende Männer um einen Tisch in einem Raum mit roten Wänden; der links im Vordergrund macht das Foto
Freunde treffen sich zur Probe der Dixie Five, einer Jazzformation.
Von links nach rechts: Lucas Busso (zu Besuch), Christian Becker, Ernst Becker, Willy Janecki, Ernesto Lautz und Jorge Becker.
Kapitel VII

Der Weg führt weiter
über Olivos

2024

Doch der Chor ging bereits zu Ende. Olivos Brass schloss im Dezember 2012, nach fünfundzwanzig Jahren — und jenes Konzert vom 15. Dezember, mit den drei Chören zusammen, war eines seiner letzten. Sein eigener Leiter erzählt es: Nach der Deutschlandtournee von 2008 — der «Valium Tournee» — fiel er aus gesundheitlichen Gründen aus, der Chor verlor an Kraft, und nach 2012 blieben nur noch «einzelne Verpflichtungen».

Was blieb, ist verwahrt, und man weiß wo: Bücher, Noten, Mappen und Notenständer blieben in einem verschlossenen Schrank in Olivos, und die Instrumente — sie gehören der Deutschen Evangelischen Gemeinde in Buenos Aires — kamen nach Villa Ballester, wo sie heute für die Anfängergruppe gebraucht werden. Ein von Jorge Becker und Siegfried Luschnat unterzeichneter Brief hält das fest.

Von den Musikern «zogen sich einige wegen ihrer Berufe zurück, andere wurden alt, andere starben». Drei spielen weiter, und zwar in Villa Ballester: Bernd Treutel, Andrea Hennigs und Georg Becker selbst.

Die Verbindung mit Mecklenburg riss nicht ab: Als das Jugendensemble «Querblech» aus Mecklenburg 2024 durch Argentinien tourte, fand sein erstes Konzert auf argentinischem Boden gerade in der Kirche von Olivos statt, bevor es nach Villa Ballester und in den Süden des Großraums weiterging. Vierzig Jahre nach seiner Gründung steht die Station Olivos weiterhin auf der Landkarte der Blechbläser.

Datenblatt · Posaunenchor Olivos
Gegründet
1987, von Pastor Walter Bäuerle in der Gemeinde Olivos · mit vier Musikern
Namen
Posaunenchor Olivos · «Olivos Brass» (so im Programm von 2007)
Gemeinde
Gemeinde Olivos der CEABA · Avellaneda 1541, Florida (Vicente López)
Chorleiter
Walter Bäuerle (1987—1989) · Rolando Becker (1989—1991) · Jorge (Georg) Becker (1991—2012)
Meilensteine
Mega Encuentro 2007 · Tournee «Valium Brass» 2008 · Posaunentag Leipzig 2008 (Guinness-Rekord)
Ende
Dezember 2012, laut seinem Chorleiter · die Kirche von Olivos empfing weiterhin Blechbläser: das Querblech aus Mecklenburg spielte dort 2024
Quellen: Selbstdarstellung des Chores, bewahrt von seinem Chorleiter (zwei Fassungen, um 2007) · direktes Zeugnis des Posaunenchores Temperley (2026) · Archiv des Posaunenchors Temperley (Programme 2007 und 2008) · Chronik des Posaunenchors Altenmedingen (1999) · ceaba.org.ar · kirche-mv.de (Reisetagebuch Querblech 2024) · deutsche Berichte vom Posaunentag Leipzig 2008.
«Valium Brass»
Der Spitzname, den sich die argentinischen Bläser auf der Tournee 2008 verdienten — für die Ruhe unter Druck
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