Zwei Jahre nachdem Pastor Maas den Chor von Temperley gegründet hatte, versammelte ein eben aus Deutschland eingetroffener Diakon vier Musiker in der Gemeinde Villa Ballester. Sechzig Jahre später spielt dieser Chor noch immer: Er pflegt eine ein Vierteljahrhundert währende Partnerschaft mit einem Chor aus Niedersachsen und vertrat 2024 Argentinien beim Posaunentag in Hamburg.
Die Gemeinde Villa Ballester geht auf die Mission der Deutschen Evangelischen Gemeinde Buenos Aires (CEABA) zurück, die 1926 begann, in Villa Ballester Gottesdienste in den Häusern deutscher Familien zu halten. 1930 wurde die Kapelle in der Lavalle 18 (heute 2881) eingeweiht; alten Fotos zufolge fanden die ersten Gottesdienste noch ohne Dach und ohne Bänke statt. Ihre Kirche wurde 1947 erbaut. Die Gemeinde gehört zur Evangelischen Kirche am La Plata (IERP) und hält einmal im Monat den Gottesdienst auf Deutsch.
1964 entstand dort der Posaunenchor — der Posaunenchor Villa Ballester. Die Gemeinde selbst beschreibt ihn als das Herz ihres musikalischen Lebens: «un espacio de inserción a muchos jóvenes que a lo largo de los años permanecen activos en la vida de la comunidad» — ein Ort der Eingliederung für viele junge Menschen, die über die Jahre im Leben der Gemeinschaft aktiv bleiben. Er ist der zweite der drei Bruderchöre unter den Posaunenchören des Großraums Buenos Aires: Temperley (1962), Villa Ballester (1964) und Olivos (1987).
Wer ihn gegründet hat, sagt die Selbstdarstellung, die der Chor bewahrt: Diakon Knud Autzen, von der Evangelischen Kirche in Deutschland entsandt, lud «kaum ein halbes Jahr nach der Ankunft in Buenos Aires» vier Musiker ein, die Posaunengruppe von Villa Ballester zu bilden. Derselbe Anfang wie zwei Jahre zuvor in Temperley: ein deutscher Entsandter und eine Handvoll Instrumente.
Die vier Amateure verstanden etwas von Musik, aber nichts von Blasinstrumenten. Trudi Stiefel an der Trompete — die einzige Frau jener ersten Runde —, Jorge Becker (senior) ebenfalls an der Trompete und später an der Tuba, Fritz Merkle an der Trompete und Gustavo Werner am Tenorhorn: drei Trompeten und ein Bass, die kleinstmögliche Besetzung für einen Anfang. Das Blechblasen lernten alle vier vom Gründer. Wenige Monate später, nach der Entlassung aus dem Militärdienst, kam Peter Becker dazu, der später 28 Jahre lang den Taktstock des Posaunenchores führte. Die vier Namen und das Instrument jedes Einzelnen nannte Georg Becker 2026.
Kaum zwei Jahre nach seiner Gründung bekam der Posaunenchor Villa Ballester mehr Mitglieder. Bei diesem Weihnachtsbasar in der eigenen Gemeinde trat er mit 10 Musikern auf: Knud Autzen (Leiter), Jorge Becker (senior), Trudi Stiefel, Norbert Rasch, Fritz Merkle, Peter Becker, Tomas Heuser, Brigitte Autzen (Ehefrau von Knud), Gustavo Werner und Ulli Bugmann.
Gedenkfeier zum Jahrestag auf dem Deutschen Friedhof in der Chacarita.
Musiker: Knud Autzen (Leiter), Jorge Becker, Jochen Becker, Trudi Stiefel, Fritz Merkle, Peter Becker, Gerti Becker, Gustavo Werner, Tomas Heuser und Ulli Bugmann.
Gedenkfeier zum Jahrestag in der CEABA-Gemeinde Grand Bourg. Dieselbe Besetzung.
Musikalische Begleitung beim Gemeindefest in Villa Ballester.
13 Mitglieder: Unbekannt, Jorge Becker (senior), Knud Autzen (scheidender Leiter), Ernst Schuster, Jochen Becker, Trudi Stiefel, Christel Cesanne (Ehefrau von Peter), Erika Mohs, Fritz Merkle, Peter Becker (neuer Leiter), Gerhard Mohs, Gerti Becker und Ulli Bugmann.
Karwoche im Freizeitheim «Buen Retiro» der IERP in Villa Gesell. Ein langes Wochenende des Chores mit den Familien. Ein Klassiker, der sich fast drei Jahrzehnte lang Jahr für Jahr wiederholte.
Über einen von ihnen weiß das Archiv mehr. Georg erzählte, dass sein Vater — Jorge Becker, der älteste der Beckers — «einer von denen war, die mit Autzen in Ballester angefangen haben». Er spielte Trompete und später Tuba. Geleitet hat er den Chor nie: Sein Platz in der Gemeinde war ein anderer, der des Präsidenten. Daher rührt auch ein Detail, das das Archiv jahrelang verwirrte — dass man seinen Sohn, ebenfalls Jorge, «Jorge Becker (hijo)» nennen musste, um ihn vom Vater zu unterscheiden.
Der Posaunenchor in Villa Ballester ist im kulturellen Leben der Stadt fest verankertNetzwerk der deutschen evangelischen Gemeinden im Ausland (AGEKD)
Ein Einladungsschreiben aus dem Jahr 2009, das Jorge Becker aufbewahrt, macht diesen Anfang zeitgenössisch greifbar: Es erinnert daran, dass der Vikar Knud Autzen mit seiner Frau Brigitte im Dezember 1963 nach Buenos Aires kam und 1964 den Posaunenchor Villa Ballester gründete. Das Schreiben kündigt außerdem einen Besuch Autzens im November jenes Jahres an; wir verwenden es nicht als Beleg dafür, dass die Reise tatsächlich stattfand, wohl aber als Zeugnis der Erinnerung des Chores an seinen Gründer.
Autzen leitete den Chor in den ersten Jahren. Als er 1968 nach Deutschland zurückkehrte, ging die Leitung an Peter Becker — im alltäglichen Gebrauch Pedro, dieselbe Verspanischung, die aus Georg einen Jorge macht — über, der sie die folgenden drei Jahrzehnte innehatte. Es ist einer der längsten Abschnitte der Chorgeschichte, und er hat überall im Landesinneren und im Ausland Spuren hinterlassen, etwa in Montevideo in Uruguay, wohin der Chor 1967 reiste. Diese Reisen sind ein getreues Abbild eines aktiven, dank seiner Anfängerschule stetig wachsenden Kreises. Keine fremde Chronik erzählt ihn, nur die Selbstdarstellung, die der Chor bewahrt.
Konzert des Chores im Gemeindesaal von Villa Ballester, in Anwesenheit der deutschsprachigen Zeitung «Freie Presse», die über das Ereignis berichtete. Zusammen mit dem «Argentinischen Tageblatt» war sie eine der deutschsprachigen Wochenzeitungen der deutschen Gemeinschaft, die im ganzen Land gelesen wurden.
Die Freie Presse veröffentlichte nicht nur die Fotos des Posaunenchores, sondern dazu einen ausführlichen Artikel über die im Konzert gespielte Musik und über die Erlebnisse des Posaunenchores bei festlichen Anlässen, diakonischen Werken und ökumenischen Begegnungen.
Wieder ein paar kleine Ferientage zur Karwoche in Villa Gesell, aber immer auch genutzt, um zu proben. Dieses Foto ist vielleicht der deutlichste Beweis dafür, dass der Chor von Jahr zu Jahr wuchs.
22 Mitglieder (Leiter eingeschlossen): Jochen Becker, Georg Becker, Bernd Treutel, Norbert Rasch, Ernst Becker, Herbert Luschnat, Pablo Basteiro, Karl E. Keller, Harry Meier, Dieter Bernhardt, Willy Janecki, Carmen Winkler, Siegfried Luschnat, Marianne Keller, Mariana Dech, Walter Becker, Gerti Becker, Gerhard Simon, Andy Bauer, Martin Luschnat und Jorge Becker (senior). Peter Becker dirigiert, mit dem Rücken zur Kamera.
Es war an der Zeit, dass der Posaunenchor Villa Ballester ein eigenes Erkennungszeichen bekam. Peter Becker (der Leiter) arbeitete in der Werbung, und so konnte er es selbst entwerfen. Es gilt bis heute.
Man sollte darin ganz einfach ein Blechblasinstrument erkennen, und es sollte auf Villa Ballester verweisen. Beides ist verschmolzen: Das Instrument erinnert an ein Waldhorn und enthält das kurze «V» mit dem kleinen «b» von Villa Ballester.
Ferien für die Musiker und ihre Familien, verbunden mit Auftritten in Rocamora, Lucas González und Colonia La Llave, Entre Ríos. Untergebracht waren alle bei den Fangaufs, Cousins der Beckers.
Das Foto vom Bus, den der Chor anschieben muss, zeigt übrigens etwas ganz Alltägliches. Man kann sagen, dass es mehr Reisen mit liegengebliebenen Bussen gab als solche, die uns ohne Zwischenfälle hin und zurück brachten. Diesmal war es nicht so: Der Regen auf dem Land hielt uns nicht auf, und in Rocamora musste der Bus aus dem Schlamm gezogen werden. Zum Baden wurde ein Anhänger organisiert, von einem Traktor gezogen, der ebenfalls die Hilfe vieler kräftiger junger Leute brauchte.
Für die künftigen Ausflüge an langen Wochenenden musste der Posaunenchor Villa Ballester schon 2 Busse mieten, um die immer größere Gruppe zu befördern.
Die Anfängerschule begann sofort. Autzen war ein beharrlicher Mann, und diese Beharrlichkeit überzeugte mehr als ein Gemeindeglied: Nach zwei Jahren zählte der Chor bereits zehn Mitglieder, und es gibt Fotos, die das belegen. Unter Peter Becker wurde die Nachwuchsarbeit vertieft — eingeladen wurden nun Jugendliche und Kinder, und aus ihnen kamen die Musiker, die die folgenden drei Jahrzehnte trugen.
In diesen Reihen stand auch eine Becker. Elisabeth Becker, ältere Schwester von Rolando — der Jahre später den Chor von Olivos leiten sollte —, spielte von 1971 bis 1982 Trompete in Villa Ballester und heiratete Bernd Treutel, einen weiteren Trompeter des Kreises, der bis heute in Villa Ballester spielt.
Unter dieser Leitung wuchs der Chor: «se iban agregando nuevos músicos y se retiraban otros» — neue Musiker kamen hinzu, andere schieden aus —, bis er 35 Mitglieder zählte. Das Repertoire, anfangs auf Choralmusik und die klassischen Intraden beschränkt, erweiterte sich mit eigenen Bläserbearbeitungen um Negro Spirituals, europäische Volksmusik und lateinamerikanische populäre Musik — später auch um Pop und moderne Fassungen bekannter Lieder.
Die Ausflüge des Chores mit den Familien gingen weiter: im April 1974 und 1976 ins «Buen Retiro» der IERP in Villa Gesell. Strand, Probe, Konzerte unter freiem Himmel und die musikalische Begleitung der Gottesdienste am Karfreitag und am Ostersonntag.
Zum ersten Fest des Wiener Gebäcks in Villa General Belgrano wurde der Posaunenchor eingeladen, es musikalisch zu umrahmen. In der freien Zeit wurde der bekannte Pico Alemán bestiegen.
Zu einem Jahrestag der Stadt Lucas González in Entre Ríos gab der Chor auf dem Hauptplatz den musikalischen Rahmen und spielte zum ersten Mal die argentinische Nationalhymne.
Die Tradition von Villa Gesell, mit Musik und ebenso mit gesunder Erholung.
Jahr für Jahr wurde im Mai der «Tag des Liedes» begangen, später «Día del Lied» genannt. Das legendäre Kino Sarmiento (heute gibt es es nicht mehr) an der Calle Independencia, mitten im Zentrum von Ballester, war der Rahmen für ein Treffen aller Chöre der deutschsprachigen Schulen in Buenos Aires, der musikalisch-geselligen Vereine wie des Männerchors und auch des Posaunenchores Villa Ballester.
Das Foto zeigt den Abschluss jenes Sonntagvormittags, mit drei Vokal- und Instrumentalchören zusammen.
Konzert in Villa Ballester im Oktober 1980, mit dem vollständigen Chor von 35 Mitgliedern.
Das Foto der Trompeten zeigt, wie wenig Platz die Musiker auf der Bühne hatten. Es sind: Ernst Becker, Herbert Luschnat, Carlos Siebert, Karl E. Keller, Dani Egner, Willy Janecki, Pablo Basteiro, Walter Becker, Gerti Becker…
In Villa Ballester gibt es eine sehr große deutsche Gemeinschaft. Wie die Geschichte erzählt, ließen sich die Deutschen nahe der Eisenbahn nieder, damals das einzige Verkehrsmittel in die Stadt Buenos Aires. So entstanden die Kirchen und die Schulen, eng miteinander verbunden. Die beiden deutschsprachigen Schulen, von Menschen mit Berufung zur Erziehung gegründet, sind das Instituto Ballester (Martin Lange) und die Hölters-Schule (Simon). Diese lud zu ihrem 50-jährigen Jubiläum und zur Einweihung eines neuen Gebäudes für die Grundschule den Posaunenchor ein, das Fest musikalisch zu umrahmen. Der handschriftliche Dank von Frau Hölters de Simon (Ehefrau des Gründers) belegt es.
Der Chor ist mit seiner Musik in Villa Gesell dabei, auf einer Bühne unter freiem Himmel.
In einem Pavillon auf dem Platz von Lucas González, Entre Ríos, hinterließ der Chor den Einheimischen seine musikalische Handschrift.
Im Oktober, dem Konzertmonat schlechthin, stellte der Posaunenchor in Villa Ballester sein erneuertes Repertoire mit größeren musikalischen Herausforderungen vor.
Von links nach rechts: Georg Becker an der «Piccolo», Pets und Roland Becker an den Trompeten. Zu jener Zeit waren die beiden noch sehr jung, zeigten aber schon ihr Talent für die Blasinstrumente. «Pets» Becker ist ein Spitzname, um ihn nicht mit dem Chorleiter zu verwechseln: beide heißen Peter.
Der Chor finanzierte sich stets selbst: «durante toda su existencia se ocupó de conseguir sus propios ingresos a través de fiestas y donaciones» — durch Feste und Spenden, mit denen Kauf und Reparatur der Instrumente, die Reisen und die Freizeitaktivitäten bezahlt wurden. Und er hielt die Tür offen — für jeden mit Lust, Musik zu lernen, «und auch für die, die sich beim Spielen nicht immer sicher fühlten» —, ohne das Gründungsziel zu verschieben: die musikalische Arbeit als christlicher Dienst an Gemeinde und Gemeinschaft.
Aus jener Zeit stammt auch eine Gewohnheit, die der Chor nie ablegte: das Reisen mit der Familie. Entre Ríos, Villa Gral. Belgrano und Villa Gesell: die Musiker in Begleitung von Angehörigen und Freunden — das waren die wiederkehrenden Ziele. Entre Ríos ist es aus einem konkreten Grund: Dort liegen die deutschen Kolonien am Litoral, und der Chor spielt regelmäßig in ihren Gemeinden.
Karwoche mit dem Chor und seinen Familien in Villa Gesell. Eine Gewohnheit, die dazu diente, intensiver zu proben, die die Gruppe aber auch mit Freude und Begeisterung erfüllte.
Aus jener Zeit sind zwei Aufnahmen erhalten, die am selben Tag entstanden, im Juli 1984, auf dem Friedhof der Deutschen Evangelischen Gemeinde (CEABA) in Chacarita — an einem Tag, an dem die Chöre von Villa Ballester und Temperley gemeinsam spielten: der älteste gemeinsame Auftritt, von dem ein Zeugnis erhalten ist. Die Musiker in weißem Hemd und Krawatte, die Familien ringsum, und ein Besucher, der stehen blieb, um sie zu begrüßen.
Ein ikonisches Foto des Posaunenchores Villa Ballester. Die Musik war das Wichtigste bei jedem Auftritt, mit einem breiten Repertoire aus klassischen Stücken und Volksmusik.
Aber bei den Gemeindefesten in Buenos Aires und in Entre Ríos erwartete das Publikum voller Vorfreude noch etwas anderes: die komischen Sketche (kurze, lustige Stücke mit einem unerwarteten, witzigen Ende), die in der Pause des Chores die Zuschauer unterhielten.
In diesen «Gags» glänzten zwei hervorragende Komiker: Jochen Becker und Jorge Becker (senior). Sie suchten immer neue Geschichten, probten sie mit Begeisterung und bereiteten Kostüme und Kulisse vor. Das Publikum haben sie nie enttäuscht.
Wieder eingeladen, kommt der Bus in Lucas González an. Vorher die Generalprobe und dann die beiden vereinbarten Auftritte: einer am Samstag in der Kirche von La Llave und am Sonntag, bei strahlender Sonne, auf dem Platz zu einem weiteren Jahrestag der Stadt Lucas González.
Der Posaunenchor Villa Ballester bei seinen traditionellen Ausflügen ins «Buen Retiro» der IERP in Villa Gesell zum Ende der Karwoche. Die Gruppe schon kleiner, aber mit neuen Mitgliedern, immer unter der Leitung von Peter Becker.
Von links nach rechts: Claudia Hanisch, Alex Becker, Hugo Turrini, Harry Meier, Ingrid Becker, Gaby Becker, Dani Simon, Carlos Kasper, Christian Becker, Andrés Thern, Edith Kinderknecht, Willy Scholz, Gustavo Turrini und Jorge Becker.
Diesmal, wieder zur Karwoche, taten sich die Chöre von Ballester und Olivos für einen Ausflug ins «Buen Retiro» der IERP in Villa Gesell zusammen.
Von links nach rechts: Jochen Becker, Georg Becker, Bernd Treutel, Willy Scholz, Adriana Kahn, Dani Simon, Edi Kasper, Marco Callovini, Ernesto Lautz, Tomas Heuser, Carmen Egert, Jorge Becker (sen.) und Helmut Becker. Die Probe leitet der neue Leiter von Ballester, Siegfried Luschnat.
Und man sieht, dass die Tubisten und Brüder Jorge und Helmut die Pause nutzten, um ihre Instrumente auf Hochglanz zu bringen.
Und der Bogen des Gründers schloss sich ein halbes Jahrhundert später. 2014, zum 50-jährigen Bestehen des Chores, kam Knud Autzen aus Deutschland nach Buenos Aires zurück, um es mit dem Ensemble zu feiern, das er mit vier Musikern gegründet hatte. Der Chor selbst bewahrt die Fotos dieses Besuchs.
Zur Feier des 50-jährigen Bestehens des Posaunenchores Villa Ballester besuchte uns das Ehepaar Autzen im November 2014. Dieses historische Ereignis wurde durch die Anwesenheit der Musiker bereichert, mit denen der Chor begonnen hatte. Es lohnt sich, dieses Foto genau anzusehen und mit denen vom Dezember 1966 zu vergleichen.
Von links nach rechts: Knud Autzen, Gründer und Leiter des Chores von 1964 bis 1968. Jorge Becker (senior), Koordinator und Organisator des Posaunenchores bis 2002, als er sich mit 74 Jahren zurückzog. Trudi Stiefel, eine der vier Mitglieder der ersten Stunde: Ehre und Herausforderung für eine Frau. Peter Becker, kam 1965 dazu und hatte von 1968 bis 1996 die musikalische Leitung des Chores. Tomas Heuser war ab 1966 dabei. Brigitte Autzen, Ehefrau von Knud, kam ab 1966 dazu. Jochen Becker trat ebenfalls 1966 in den Chor ein.
Der dritte Abschnitt beginnt 1996, als Siegfried Luschnat die Leitung des Chores übernimmt — und sie dreißig Jahre später noch innehat. Es ist zugleich der Name, den die auswärtige Überlieferung immer wieder nennt. Die Chronik des Posaunenchores Altenmedingen (Deutschland), der die Ballesterenser 1999 besuchte, stellt ihn ohne Umschweife vor: «allen voran Siegfried Luschnat, der Leiter des argentinischen Posaunenchores in Villa Ballester». Sein Bruder Herbert Luschnat war zusammen mit Siegfried der Hauptorganisator jenes Besuchs.
Fast ein Vierteljahrhundert später stand er noch immer an der Spitze: Im Oktober 2023, beim zentralen Festakt zum 180-jährigen Bestehen der CEABA in der Kirche in der Calle Esmeralda, vermerkte die Presse den Empfang des Publikums «durch den Posaunenchor der Gemeinde Villa Ballester unter der Leitung von Maestro Siegfried Luschnat», der anschließend gemeinsam mit dem Posaunenchor Temperley die Choräle begleitete.
Die deutsche Chronik von 1999 hinterlässt zudem ein Bild der Familie: Die jungen Reisenden aus Altenmedingen wohnten «bei Siegfrieds Eltern, Rudolf und Irmtraut Luschnat» — Rudolf und Irmtraut Luschnat, wohnhaft in Villa Ballester. Rudolf — Vater von Siegfried und Herbert und für die ganze Gemeinde schlicht «Herr Luschnat» — war in Insterburg, Ostpreußen geboren, wie dieselbe Chronik vermerkt: Die Wurzeln der Familie liegen im nach dem Krieg verlorenen deutschen Osten.
Neben Siegfried ist Herbert Luschnat, sein Bruder, die andere Leitfigur der Familie. Georg Becker bezeichnete ihn 2026 als den Verantwortlichen des Chores: Er, und nicht Siegfried, empfängt Autzen auf dem Foto mit dem Abschiedsgeschenk. Seine dokumentarische Spur ist flüchtiger: In der Chronik von 1999 erscheint unter den Namen der Chormitglieder und Gastgeber von Villa Ballester ein «Herbert» — die deutsche Zeitung nennt keine Nachnamen und freut sich, dass es bei solchen Namen «keine Sprachprobleme» geben würde. Es war dieser Herbert, «der Vorausschauende», der für die Besucher den «Tangoabend» vom 7. April 1999 organisierte: den Tangoabend, den die deutsche Delegation als einen der großen Momente der Reise in Erinnerung behielt.
Die Arbeitsteilung der beiden Brüder trägt den Chor bis heute: Herbert ist der Vorausschauende und der Motor, Siegfried führt den Taktstock — und beide tun es weiterhin mit voller Kraft. Es ist genau dasselbe Muster wie in der ersten Etappe, und auch dort unter Brüdern: Jorge Becker (senior) war der Organisator und die Bezugsperson, sein Bruder Peter der Chorleiter. Zwei Generationen, zwei Familien und dieselbe Art, sich die Arbeit zu teilen.
Die Verbindung zum Posaunenchor Altenmedingen (Niedersachsen) entstand über Temperley: Während einer Deutschlandtournee des von Martin Huss geleiteten Posaunenchores Temperley gab der argentinische Chor ein Konzert in Altenmedingen — und aus dieser Begegnung entstand die Idee, nach Villa Ballester zu fliegen. Nach Deutschland gereist war der Chor von Temperley; auf Einladung von Huss schlossen sich ihm Musikerinnen und Musiker der Bruderchöre an — Marianne Keller, Daniel Simon und Andrea Hennigs. So reist man in diesem Kreis: unter einem Namen und mit Leuten aus allen drei Chören. Als die Deutschen in Villa Ballester landeten, kannten sie deshalb schon einige ihrer Gastgeber.
Der Besuch wurde in der Karwoche 1999 Wirklichkeit: Vom 28. März bis zum 13. April lebten einundzwanzig Reisende — neunzehn Instrumentalisten und zwei Begleiter — bei den Familien des Ballesterenser Chores. Es gab gemeinsame Konzerte, eine Busfahrt durch die Pampa nach Villa Gesell (wo das Konzert vom Lokalsender aufgezeichnet wurde), Ausflüge nach La Plata und ins Tigre-Delta, einen Besuch im Kinderheim von Baradero, eine gemeinsame Probe in Olivos und Herberts Tangoabend. Beim Abschied, so schrieben die Deutschen, musste sich selbst Chorleiter Siegfried unter der Brille die Augen trocknen.
Das Wiedersehen kam auf die 25 Jahre genau: 2024, auf dem Weg zum Posaunentag in Hamburg, spielten die Ballesterenser in Altenmedingen — ein Konzert im Pfarrgarten von Bienenbüttel — und ließen die Pläne für den Gegenbesuch fertig geschmiedet zurück. Er fand im Juli 2025 statt: Am 12. Juli eröffneten die beiden Chöre gemeinsam die Feierlichkeiten zum 410-jährigen Bestehen von Baradero in der Casa Suiza, im Rahmen des Zweihundertjahrjubiläums der deutschen Einwanderung und im Beisein der Botschafter Deutschlands und der Schweiz; der Bürgermeister überreichte den Leitern beider Chöre Anerkennungsurkunden. Es war nicht der einzige Termin: Unter dem Motto «Encuentro de Coros de Bronces Alemania - Argentina — 200 Jahre Freundschaft» spielten die beiden Chöre am 15. Juli um 18:00 Uhr im Deutschen Klub in Buenos Aires (Av. Corrientes 327, 21. Stock), zum 170. Jubiläum des Klubs, mit einem Programm aus «vielfältigen Werken, klassisch und populär» und bei freiem Eintritt, und am 17. Juli in der Aula Magna der Schule José Hernández in Villa Ballester.
Im Oktober 2023, beim Abendessen mit den jungen Bläsern des Bläserkreises aus Mecklenburg-Vorpommern, die gerade in ihrer Kirche gespielt hatten, erzählten die Musiker aus Villa Ballester von ihrem Plan: Geld zu sammeln, um im folgenden Jahr zum 3. Deutschen Evangelischen Posaunentag zu reisen. Sie hielten Wort: Im April und Mai 2024 reiste eine Delegation von 13 Musikern durch Deutschland in Richtung Hamburg.
Das Geld kam so zusammen, wie es in einem Gemeindechor immer zusammenkommt: durch Spielen. Am 23. März und am 13. April 2024 gaben sie zwei Konzerte «vor der Tournee», eines in der eigenen Gemeinde in Villa Ballester und eines in der Gemeinde Belgrano; den Rest trug der Festkalender, von dem der Chor das ganze Jahr über lebt. Im Konzert in Villa Ballester am 23. März erklang «Adiós Pampa mía» von Francisco Canaro und Mariano Mores.
Und als sie zurückkamen, empfing die Gemeinde sie mit einem Willkommensfest im Saal neben der Kirche — demselben Saal, in dem auch der Posaunenchor Temperley oft gespielt hat —: die langen Tische voll besetzt, und an der Wand, neben dem Kreuz, die Tourneekarte und die Fotos der Reise projiziert. Wer dageblieben war, sah, wo die Seinen gewesen waren.
Das Plakat jener Tournee lässt sie vollständig rekonstruieren: achtzehn Tage, sieben besuchte Gemeinden und elf Auftritte, fast alle gemeinsam mit dem Posaunenchor des jeweiligen Ortes — so reist man in dieser Welt: Man fährt nicht hin, um Konzerte zu geben, sondern um mit den Leuten vor Ort zu spielen. In Bienenbüttel kam außerdem ein Chor aus Südafrika dazu.
Bei den großen Anlässen der Gemeinschaft teilen sich die beiden Chöre die Bühne. 2007 vereinte das «Mega Encuentro de Bronces» in der Aula Magna der Juristischen Fakultät vier Chöre unter der Leitung von Martin Huss: den Mecklenburger Posaunenkreis, Villa Ballester, Olivos und Temperley. Am 29. Oktober 2017 feierten sie gemeinsam den Gottesdienst zu 500 Jahren Reformation in der Parroquia Centro (Esmeralda 162), mit dem Jugendchor aus Mecklenburg-Vorpommern. Und im Oktober 2023, beim 180-jährigen Jubiläum der CEABA, empfingen die Bläser aus Villa Ballester das Publikum am Eingang der Kirche und begleiteten die Choräle gemeinsam mit denen aus Temperley — vor nationalen Amtsträgern und dem deutschen Botschafter.
Der Austausch geht auch in die andere Richtung: Temperley spielte in der Heimstätte des Ballesterenser Chores — der Kirche in der Lavalle 2881 — im Zyklus «Johannes Maas» seines 50-jährigen Jubiläums (15. Juli 2012) und beim Frühlingskonzert mit argentinischer Folklore (1. Oktober 2023). Und im Archiv von Temperley wird ein Exemplar der von der CEABA herausgegebenen Weihnachtssammlung «Festliche Bläsermusik zu Weihnachten» aufbewahrt, das dem Posaunenchor Villa Ballester gehört.
Der tiefere Austausch ist aber nicht der der Konzerte, sondern der der Musiker. Leitfiguren der Bruderchöre spielten auf mehreren Tourneen mit Temperley — aus Olivos kamen Georg Becker, sein Leiter, und Andrea Hennigs. Und umgekehrt gingen zwei zentrale Namen aus Temperley mehrfach mit den Ballesterensern auf Reise: Eduardo «Oso» López, von 1999 bis 2008 Ko-Leiter des Chores, und der Tubist Pedro «Peta» Pulzovan. Die drei Chöre leihen einander seit Jahrzehnten Leute — und das ist das Gewebe, das die Chroniken, auf Daten und Programme fixiert, fast nie festhalten.
Es gibt ein Dokument, in dem dieses Gewebe vollständig sichtbar wird. Die offizielle Besetzungsliste der Deutschlandtournee des Posaunenchores Temperley von 1998 — achtzehn Musiker, fünfundvierzig Tage, fünfundfünfzig Konzerte in fünfundsechzig Städten — führt fünf Namen, die nicht aus Temperley kamen: zwei aus Villa Ballester — den Posaunisten Daniel Simon und die Trompeterin Edith Kinderknecht —; die Trompeterin Andrea Hennigs aus Olivos; und zwei aus dem Chor von 25 de Mayo in Misiones, den Temperley vier Jahre zuvor mit aufgebaut hatte — Ángela Keil an der Trompete und Mathias Keil am Tenorhorn. Das Archiv nennt sie «die Tournee von Temperley», und auf dem Papier war sie das auch; aber nach Deutschland fuhr der ganze Kreis — und spielte unter einem einzigen Namen.
Und alle drei spielten mehr als einmal gemeinsam. Neben dem Mega Encuentro von 2007 gab Villa Ballester am 15. Dezember 2012 ein «Konzert gemeinsam mit dem Posaunenchor Olivos und Temperley» — so kündigte es der Chor selbst an, mit dem Foto der drei Ensembles auf der Bühne.
Georg Becker — im alltäglichen Gebrauch Jorge, und es ist dieselbe Person — ist seit 1991 der Leiter des Posaunenchores Olivos. Das erklärt eine Gestalt, die das Archiv von Temperley über Jahre verzeichnet hat, ohne zu wissen, woher sie kam: den Mann, der in allen drei Chören zugleich auftaucht.
Seine Spur in Temperley ist konkret. Er war der Organisator des Patronatskonzerts von La Merced — der katholischen Kirche in der Lamadrid 2560, in Villa Ballester — vom 23. September 2017, und die Videos jenes Abends auf dem Kanal des Chores tragen alle den Vermerk «Agradecimiento Georg Becker y Familia». Zuvor, im Juni 2008, hatte er auf der Deutschlandtournee «Festliche Bläsermusik aus Lateinamerika — Salmos y Tangos» Trompete gespielt: Ein Foto jener Reise zeigt ihn neben Werner Mengel und Nicolás Zárate. Und das Mitgliederverzeichnis von Temperley führt ihn als Trompeter beim Konzert im Auditorio de Belgrano 2017 und in den Danksagungen von 2019.
Also: der Leiter eines Bruderchores, der ein Konzert im Viertel des anderen organisiert und im dritten als Gast mitspielt, auf dessen Deutschlandtournee. Die Überschneidung, die die Chroniken nur halb erkennen ließen — dieselben Spielorte, dieselben großen Daten —, hat auch diese Gestalt: die der Menschen, die zwischen den drei Chören hin und her gehen.
Ein Gemeindechor lebt nicht von Konzerten, sondern von Festen. Die Plakate, die der Chor Jahr für Jahr veröffentlicht, zeigen einen festen Kalender mit deutschen Namen und deutschem Essen, der so verlässlich wiederkehrt wie eine Jahreszeit. Das Posaunenfest fällt in den Herbst: 11. Juni 2023, 9. Juni 2024, 4. Mai 2025, 17. Mai 2026. Das Gemeindefest im September. Und das Frühlingsfest im Oktober, verbunden mit dem argentinischen Muttertag. Die Tradition ist älter: Schon im Mai 2015 gab es ein Posaunenfest in Ballester.
Der Ablauf ändert sich nie: Gottesdienst um 10, Fest um 12. Auch das Menü nicht — Chorizo Schreiber, Hähnchen vom Grill, Salate, Nachtisch und Kaffee —, und ebenso wenig die immer gleiche Bitte, die mehr über den Chor sagt als jede Chronik: «Teller, Glas und Besteck mitbringen» und «wir danken für gespendete Salate, Kuchen und Tombolapreise». Das Geld von diesen Tischen zahlt später die Flugtickets.
Zwischen dieser Routine stehen die großen Termine. Am 23. November 2024 gab der Chor in der Gemeinde in der Lavalle 2881 sein Konzert zum 60-jährigen Bestehen: Eintritt frei, und statt eines Preises ein haltbares Lebensmittel für die diakonische Arbeit der Gemeinde. Sechzig Jahre nachdem ein frisch angekommener Diakon vier Musiker zusammengeholt hatte, spielte der Chor noch immer im selben Haus.
Und in einem Jahr kam Deutschland zu Besuch. Am 20. Oktober 2024, fünf Monate nach der Rückkehr von der Tournee, gab es beim Frühlingsfest Live-Musik von einem deutschen und einem einheimischen Ensemble: Das deutsche war «Querblech» vom Posaunenwerk Mecklenburg-Vorpommern, geleitet von Martin Huss — demselben Martin Huss, der den Posaunenchor Temperley von 1981 bis 1998 leitete, bevor er nach Deutschland zurückging, und der seit 1999 der Posaunenarbeit jenes Landes vorsteht. Der Austausch nahm diesmal den Rückweg — und brachte ihn selbst zurück.
Auch außerhalb der eigenen Gemeinde ist der Chor unterwegs. Am 24. Juni 2023 besuchte er das Altenheim der IERP in Aldea San Antonio, Entre Ríos, und begleitete dort am Tag darauf, dem 25., eine Goldene Konfirmation. Am 2. Dezember 2023 spielte er Weihnachtslieder auf dem Weihnachtsbasar der Gemeinde Martínez der CEABA, und am 8. September 2024 begleitete er die Feiern zum 50-jährigen Bestehen der Parroquia Panamericana.
Aldea San Antonio war kein neues Ziel. Der Chor war 2012 dort, mit Eduardo «Oso» López unter den Musikern. Und er spielte auch beim Gottesdienst zum 20-jährigen Bestehen der Colonia de Ancianos San Antonio, von dem ein im April 2016 veröffentlichtes Foto bleibt: die Musiker aus Villa Ballester, mit dem Schild des Chors am Notenpult, neben den Pfarrern, die den Gottesdienst gestalteten.